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KI in der Führung

Wie bereite ich ein Mitarbeitergespräch mit KI vor?

Fünf Schritte genügen: Ziel klären, Lage anonym schildern, Leitfaden erstellen lassen, Reaktionen durchspielen, eigene Sätze prüfen. KI übernimmt Struktur, Fragen und Formulierungen, nicht die Bewertung der Person. Namen, Gesundheitsangaben und Inhalte aus Personalakten gehören nicht in die KI. Nutze für konkrete Leistungsdaten nur freigegebene Werkzeuge.

Von Tim Christopher GasseZuletzt geprüft am

Wobei hilft KI in der Gesprächsvorbereitung, und wobei nicht?

Ein gutes Mitarbeitergespräch braucht drei Dinge: ein klares Ziel, eine faire Einschätzung und gute Fragen. KI hilft dir bei der ersten und dritten Aufgabe. Sie ordnet deine Gedanken, schlägt eine Gesprächsstruktur vor, formuliert offene Fragen und spielt mögliche Reaktionen deines Gegenübers durch. Die faire Einschätzung bleibt bei dir. KI kennt die Person nicht, sie kennt nur das, was du eingibst.

Wie gut Führungskräfte solche Gespräche führen, ist keine Nebensache. Im Gallup Engagement Index Deutschland 2025 gaben nur 10 Prozent von 1.700 befragten Arbeitnehmenden an, eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber zu haben. 77 Prozent hatten eine geringe Bindung. Eine bessere Vorbereitung ändert das nicht allein. Sie sorgt aber dafür, dass du im Gespräch zuhörst, statt nach Worten zu suchen.

Wie KI insgesamt in deinen Führungsalltag passt, beschreibt unsere Leitseite KI für Führungskräfte. Hier geht es um die konkrete Methode für ein einzelnes Gespräch.

Welche Daten darfst du in die KI eingeben?

Hier liegt die eigentliche Grenze. Informationen über Mitarbeitende sind personenbezogene Daten, oft auch sensible. Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 30. März 2023 (C-34/21) stützen Arbeitgeber die Verarbeitung von Beschäftigtendaten direkt auf Art. 6 Abs. 1 DSGVO, etwa auf die Durchführung des Arbeitsvertrags oder ein berechtigtes Interesse. Eine Einwilligung ist im Arbeitsverhältnis heikel, weil die Freiwilligkeit wegen der Abhängigkeit fraglich sein kann; § 26 Abs. 2 BDSG regelt, wann sie als freiwillig gilt. Für die Gesprächsvorbereitung heißt das: Du brauchst in der Regel gar keine echten Namen und Details.

Unsere Datenampel für die Vorbereitung:

  • Grün, ohne Bedenken: Gesprächsanlass allgemein beschrieben, Rolle statt Name („Projektleiterin, seit drei Jahren im Team“), dein eigenes Ziel, Gesprächsstruktur, Formulierungsfragen.
  • Gelb, nur im freigegebenen Unternehmenswerkzeug und nur so viel wie nötig: konkrete Leistungsbeobachtungen, Zielvereinbarungen, Zitate aus E-Mails.
  • Rot, gehört nicht in die KI: Name plus Bewertung, Gesundheitsangaben, Krankheitstage, familiäre Situation, Gehaltsdaten, Abmahnungen, Inhalte aus Personalakten.

Zwei weitere Grenzen solltest du kennen. Erstens: Mitschnitte. Wer das nicht öffentlich gesprochene Wort ohne Einwilligung aufnimmt, macht sich nach § 201 StGB strafbar; die Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit weist darauf hin, dass schon die Zwischenspeicherung bei einer Transkription eine Aufnahme sein kann. Ein Mitarbeitergespräch nimmst du deshalb nicht auf, um es später von einer KI auswerten zu lassen. Zweitens: Bewertung. KI-Systeme, die bestimmungsgemäß zur Beobachtung und Bewertung der Leistung und des Verhaltens von Beschäftigten eingesetzt werden, zählen nach Anhang III Nr. 4 der KI-Verordnung zu den Hochrisiko-Systemen. Die Pflichten dafür gelten nach der Änderung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 ab dem 2. Dezember 2027. Wer KI nur für Struktur und Formulierung nutzt, bewertet damit niemanden. Wer sich Leistungsurteile von der KI geben lässt, bewegt sich in eine andere Kategorie.

Was allgemein in ChatGPT und andere Werkzeuge darf, klärt der Artikel KI und Datenschutz: Welche Daten dürfen in ChatGPT?

Wie gehst du Schritt für Schritt vor?

  1. Ziel in einem Satz. Schreib auf, was nach dem Gespräch anders sein soll. Ohne diesen Satz liefert auch die beste KI nur Allgemeinplätze.
  2. Lage anonym schildern. Rolle, Anlass, deine Beobachtungen, deine Sorge. Keine Namen, keine roten Daten.
  3. Gesprächsleitfaden erstellen lassen. Einstieg, Kernpunkte, offene Fragen, Abschluss mit Vereinbarung.
  4. Reaktionen durchspielen. Lass dir drei mögliche Reaktionen geben und überlege, wie du antwortest.
  5. Eigene Sätze prüfen. Lies deine Kernaussagen gegen: Sind sie konkret, beobachtbar und fair? Dann streich alles, was nicht nach dir klingt.

Welche Prompt-Vorlagen kannst du direkt nutzen?

Die folgenden Vorlagen kannst du wörtlich kopieren. Ersetze nur die Angaben in eckigen Klammern.

Vorlage 1: Gesprächsleitfaden

Ich bereite als Führungskraft ein [Jahresgespräch / Feedbackgespräch / Zielgespräch] mit einer Person vor, die [Rolle, Dauer der Zusammenarbeit] ist. Mein Ziel für das Gespräch: [ein Satz]. Meine Beobachtungen: [zwei bis vier konkrete, beobachtbare Punkte ohne Namen]. Erstelle einen Gesprächsleitfaden mit Einstieg, drei Kernpunkten, je zwei offenen Fragen und einem Abschluss mit Vereinbarung. Bewerte die Person nicht. Stelle mir zuerst Rückfragen, wenn dir für einen guten Leitfaden Angaben fehlen.

Vorlage 2: Kritische Rückmeldung formulieren

Ich muss eine kritische Rückmeldung geben. Beobachtung: [was genau passiert ist]. Wirkung: [welche Folge das hatte]. Mein Wunsch: [was künftig anders sein soll]. Formuliere drei Varianten dieser Rückmeldung: eine sehr direkte, eine wertschätzend-direkte und eine fragende. Jede Variante höchstens vier Sätze. Verzichte auf Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“.

Vorlage 3: Reaktionen durchspielen

Spiele die Person aus meinem Gespräch. Reagiere nacheinander auf drei Arten auf meine Rückmeldung: verständnisvoll, abwehrend und emotional betroffen. Warte nach jeder Reaktion auf meine Antwort und gib mir danach in zwei Sätzen Rückmeldung, ob meine Antwort klar und respektvoll war.

Vorlage 4: Eigene Formulierungen prüfen

Prüfe die folgenden Sätze, die ich im Gespräch sagen will: [Sätze]. Markiere jede Aussage, die eine Bewertung der Person statt einer Beobachtung ist, jede Unterstellung und jede unklare Erwartung. Schlage für jede Markierung eine konkretere Formulierung vor.

Vorlage 5: Nachbereitung aus deinen Stichpunkten

Hier sind meine eigenen Stichpunkte aus dem Gespräch, ohne Namen: [Stichpunkte]. Fasse die getroffenen Vereinbarungen als Liste mit Aufgabe, Verantwortung und Termin zusammen. Ergänze nichts, was nicht in meinen Stichpunkten steht, und markiere Lücken mit „offen“.

Warum diese Vorlagen so aufgebaut sind, erklärt der Artikel Wie schreibe ich als Führungskraft gute Prompts? Und weil Sprachmodelle Details ergänzen, die niemand gesagt hat, gilt für die Nachbereitung der Grundsatz aus KI-Ergebnisse auf Fehler und Halluzinationen prüfen: Jede Vereinbarung gleichst du mit deinen eigenen Notizen ab.

Wann passt dieser Rat nicht?

Bei Gesprächen mit arbeitsrechtlicher Tragweite, etwa vor einer Abmahnung, einer Kündigung oder bei Verdacht auf Fehlverhalten, gehört die Vorbereitung zu Personalabteilung und Rechtsberatung, nicht in einen Chat. Dasselbe gilt für Gespräche über Gesundheit, etwa im betrieblichen Eingliederungsmanagement. Und wenn dein Unternehmen noch kein freigegebenes KI-Werkzeug hat, bleib vollständig im grünen Bereich der Ampel. Ob für die Einführung eines Werkzeugs der Betriebsrat zu beteiligen ist, beantwortet der Artikel Muss der Betriebsrat bei der Einführung von KI mitbestimmen?

Unsere Empfehlung: Nutze KI für die Vorbereitung jedes zweiten oder dritten Gesprächs bewusst und vergleiche, ob du klarer ins Gespräch gehst. Wir raten davon ab, die KI nach einer Einschätzung der Person zu fragen. Dieses Urteil ist deine Aufgabe, und es sollte auf Beobachtungen beruhen, nicht auf einer Textvorhersage.

Wie geht es weiter?

Wenn du solche Vorbereitungen mit eigenen Fällen üben willst, ist das offene Seminar KI für Führungskräfte in Hannover der passende Rahmen. Weitere Einsatzfelder im Führungsalltag findest du auf der Leitseite zu KI in der Führung. Wenn du klären willst, wie das in deinem Unternehmen konkret aussehen kann, buch dir ein kostenloses Erstgespräch (15 Minuten).

Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Lass Fragen zur Auslegung im Einzelfall von deiner Rechtsberatung prüfen.

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