Die kurze Antwort auf die Frage, was KI an der Rolle von Führungskräften ändert, steht auf der Leitseite KI für Führungskräfte: Routinearbeit wird schneller, Urteilskraft wird wichtiger, und der Einsatz von KI im Team wird zur eigenen Aufgabe. Dieser Artikel geht tiefer. Er zeigt, was aktuelle Studien dazu sagen, beschreibt fünf konkrete Verschiebungen und gibt dir einen Selbsttest für deine eigene Rolle.
Was sagen aktuelle Studien über Führung und KI?
Die deutlichste Aussage kommt aus dem Work Trend Index 2026 von Microsoft. Er verbindet anonymisierte Nutzungsdaten aus Microsoft 365 mit einer Befragung von 20.000 Beschäftigten, die KI nutzen, in zehn Ländern. Ergebnis: Strukturelle Faktoren wie Kultur, Unterstützung durch das Management und Personalpraktiken erklären 67 Prozent der Wirksamkeit von KI, individuelle Fähigkeiten und Verhaltensweisen 32 Prozent. Nur jeder vierte Befragte berichtet von einer klaren und einheitlichen Linie der Führung zur KI-Strategie. Microsoft ist selbst Anbieter von KI-Werkzeugen. Die Richtung der Aussage deckt sich aber mit anderen Studien.
Im Bericht „The State of AI in 2025“ von McKinsey gehören rund 6 Prozent der befragten Organisationen zu den sogenannten High Performern, die mehr als 5 Prozent ihres operativen Ergebnisses auf KI zurückführen. In diesen Organisationen übernehmen Führungskräfte dreimal so häufig selbst Verantwortung für KI-Vorhaben wie in den übrigen.
In Deutschland schätzen laut Bitkom 66 Prozent der Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein. Grundlage ist eine Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Juli und August 2026. Gleichzeitig schulen 70 Prozent ihre Beschäftigten zu KI, ein Jahr zuvor schulten 43 Prozent gar nicht. Die Lücke zwischen Schulung und Kompetenz schließt sich nicht im Seminar, sondern im Arbeitsalltag. Und der wird von Führungskräften gestaltet.
Welche fünf Verschiebungen verändern die Führungsrolle?
Wir beschreiben die Veränderung als fünf Verschiebungen. Jede hat einen alten und einen neuen Schwerpunkt.
1. Vom Erstellen zum Prüfen
Entwürfe, Zusammenfassungen und Analysen entstehen in Minuten. Die knappe Ressource ist nicht mehr der erste Entwurf, sondern das Urteil darüber, was davon stimmt und was wichtig ist. Im Work Trend Index 2026 sagen 87 Prozent der Befragten, die Microsoft als „Frontier Professionals“ einstuft, also als besonders fortgeschrittene Nutzer, sie behandelten KI-Ergebnisse als Ausgangspunkt, nicht als Endergebnis. Für Führungskräfte heißt das: Prüfen ist keine Nebenaufgabe mehr. Wie das geht, beschreibt der Artikel Wie prüfe ich KI-Ergebnisse auf Fehler und Halluzinationen?
2. Vom Wissensvorsprung zur Fragekompetenz
Fachwissen bleibt wichtig, aber es ist leichter zugänglich. Wer führt, muss vor allem die richtigen Fragen stellen: an das Team, an die KI und an die Ergebnisse. Eine Führungskraft, die präzise formulieren kann, was sie braucht, bekommt von Menschen wie von Maschinen bessere Arbeit.
3. Vom Verteilen von Aufgaben zum Aufteilen von Arbeit
Bisher war die Frage: Wer im Team macht was? Jetzt kommt eine zweite dazu: Welcher Teil einer Aufgabe wird von KI unterstützt, welcher bleibt beim Menschen, und wer prüft? Diese Aufteilung ist eine Führungsentscheidung, keine Frage für die IT.
4. Von der Einzelkompetenz zum Lernen im Team
Wenn jede Person allein mit KI experimentiert, entsteht Wissen bei Einzelnen und bleibt dort. Führungskräfte organisieren, dass Erfahrungen geteilt werden, etwa mit einem festen Austausch in der Teambesprechung. Seit der Änderung durch die Digital-Omnibus-Verordnung zur KI (Verordnung (EU) 2026/1744) verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung von Unternehmen, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz zu ergreifen. Was das bedeutet, beschreibt der Artikel Was ist KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung?
5. Vom fachlichen Vorbild zum Vorbild im Umgang
Teams orientieren sich daran, was ihre Führungskraft tut. Wer KI selbst nutzt, offen über Fehler spricht und sagt, wo er sie bewusst nicht einsetzt, setzt einen Standard. Wer KI heimlich nutzt oder gar nicht, setzt auch einen, nur einen schlechteren. Wie du mit Bedenken und Widerstand im Team umgehst, beschreibt der Artikel Wie nehme ich mein Team bei KI mit, wenn es Widerstand gibt?
Wird KI Führungskräfte ersetzen?
Nicht die Führung, aber manche Führungsstrukturen könnten sich ändern. Das Marktforschungsunternehmen Gartner sagte im Oktober 2024 voraus, dass bis Ende 2026 20 Prozent der Organisationen KI nutzen werden, um ihre Hierarchie abzuflachen, und dabei mehr als die Hälfte der heutigen Stellen im mittleren Management wegfällt. Das ist eine Prognose, kein Messergebnis, und sie bezieht sich vor allem auf große Organisationen.
Unsere Position: Im Mittelstand mit 20 bis 500 Beschäftigten sind Führungsspannen meist schon schmal, und Führungskräfte arbeiten selbst fachlich mit. Hier ist die wahrscheinlichere Folge nicht der Wegfall von Führung, sondern eine Verschiebung ihres Inhalts. Weniger Zeit für Berichte, Abstimmungen und Kontrolle von Zwischenständen, mehr Zeit für Gespräche, Entscheidungen und Entwicklung von Menschen. Diese Verschiebung passiert aber nicht von allein. Wer die gewonnene Zeit nicht bewusst umlenkt, füllt sie mit mehr vom Gleichen.
Wie prüfe ich, wo ich selbst stehe?
Beantworte diese sieben Fragen ehrlich mit Ja oder Nein:
- Ich nutze KI mindestens einmal pro Woche für eine echte Aufgabe aus meinem Alltag.
- Ich kann meinem Team sagen, wofür ich KI nutze und wofür bewusst nicht.
- Ich weiß, welche KI-Werkzeuge in meinem Team genutzt werden, auch private.
- In meinem Team gibt es eine Vereinbarung, wer KI-Ergebnisse vor der Weitergabe prüft.
- Wir tauschen regelmäßig aus, was mit KI funktioniert hat und was nicht.
- Ich habe mindestens eine Aufgabe im Team neu aufgeteilt, weil KI einen Teil davon unterstützt.
- Ich habe entschieden, wofür ich gewonnene Zeit einsetze.
Bei sechs oder sieben Ja gestaltest du die Veränderung bereits. Bei drei bis fünf lohnt es sich, die offenen Punkte als nächste Schritte zu planen. Bei null bis zwei beginnst du am besten bei Frage 1, denn ohne eigene Anwendung fehlt dir das Gespür für die übrigen. Frage 3 berührt ein eigenes Thema, beschrieben im Artikel Schatten-KI: Was tun, wenn Mitarbeitende private KI-Konten nutzen?
Wann passt dieses Bild nicht?
Wenn in deinem Bereich kaum Wissensarbeit anfällt, etwa in einer Fertigung mit wenig Text und Dokumentation, verschiebt sich die Rolle langsamer. Und wenn dein Unternehmen KI-Werkzeuge noch nicht freigegeben hat, kannst du die Verschiebungen 3 bis 5 nur eingeschränkt gestalten. Dann ist der erste Schritt, die Freigabe auf Ebene der Geschäftsführung anzustoßen.
Wie geht es weiter?
Such dir eine der fünf Verschiebungen aus, bei der du im Selbsttest Nein angekreuzt hast, und plane dafür einen Schritt in den nächsten vier Wochen. Wenn du das mit anderen Führungskräften an eigenen Aufgaben üben willst, passt das offene Seminar KI für Führungskräfte in Hannover. Weitere Antworten zu KI in der Führung findest du auf der Seite KI für Führungskräfte. Wenn du deine Ausgangslage besprechen willst, buch dir ein kostenloses Erstgespräch (15 Minuten).
Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Lass Fragen zur Auslegung im Einzelfall von deiner Rechtsberatung prüfen.